Von den Rolling Stones, Necrophobic und den 70ern…

Vor vielen Jahren habe ich mir das Album „Death to All“ der schwedischen Okkult-Band Necrophobic zugelegt. Die Scheibe habe ich ein paar Mal gehört, für nicht besonders gut empfunden und dann im CD-Regal verstauben lassen…

Nun hatte ich aber letztens trinkfröhlichen Besuch von einem Kumpel, der sich gerade erst das aktuelle Album dieser Gruppe gekauft hatte. Wir haben reingehört, mir gefiel es, und plötzlich meinte er, er würde gerne das Lied von der „Death to All“ hören, welches ich ihm vor langer Zeit einmal vorgespielt hatte, und das wie „Paint it, black“ von den Rolling Stones klingen würde…

Ich hatte keine Ahnung, welches Lied er meinte. Ich konnte mich überhaupt nicht an ein derartiges Lied erinnern und dachte schon, er würde da irgendetwas verwechseln, aber dann… Mein Necrophobic-Album eingeschmissen und tatsächlich, am Ende, in den letzten Minuten des letzten Liedes: „Paint it, black“. Die bekannte Melodie, nicht ganz hundertprozentig, aber beinahe. Umgewandelt in eine militärisch anmutende Hymne, sehr erhaben und mitreißend. Ich war begeistert, mir kam es vor, als würde ich dieses Lied zum ersten Mal hören, obwohl ich das Album schon seit knapp zehn Jahren besitze… Aber so geht es manchmal im Leben; schön, etwas Altes neu zu entdecken.

In Bezug auf die Rolling Stones habe ich mir dann im Anschluss noch einmal Gedanken darüber gemacht, dass ich seit langem schon einen Artikel über die okkulte Musik der 60er und 70er-Jahre schreiben will, denn der Black Metal ist ja nicht die erste musikalische Kunstform, welche sich mit dieser Thematik auseinander setzt…

Was mich immer vom Schreiben eines solchen Artikels abgehalten hat, war die Tatsache, dass ich gar nicht so viele entsprechende Bands aus dieser Zeit kenne. Ich wollte gerne mehrere Gruppen und deren Musik vorstellen, habe aber nie die Lust empfunden, ausführlich in diese Richtung zu recherchieren…

Nun denke ich mir aber: Was soll’s – sage ich einfach ein paar Worte zu den Sachen, die ich kenne, denn SchädelTrauma ist kein Rock- oder Metallexikon, sondern eine Plattform von individueller Natur…


Die Rolling Stones, damit fangen wir an. Ich weiß nicht, in wieweit diese Band in früheren Zeiten mit dem Okkulten in Verbindung gestanden hat, aber in jedem Fall haben die Jungs zwei dunkle Hymnen geschaffen, die zwar Einzug in die Pop-Musik gefunden haben, die in ihrem Kern aber zutiefst schwarz geblieben sind… „Paint it, black“ handelt textlich gesehen von Liebeskummer, doch die pessimistische Grundeinstellung vermag es durchaus, viele dunkle Seelen zu berühren (klingt etwas kitschig, ich weiß). Das Lied hat etwas unterschwellig Böses an sich, obwohl es von der Musik her nicht wirklich düster ist, aber irgendwas Dunkles brodelt da im Abgrund, das ich nicht wirklich zu definieren vermag. Ich halte es aber aus diesem Grund für keinen Zufall, dass es (neben unzähligen Cover-Versionen) auch in zwei Filmen zu hören ist, die sich mit den Abgründen unserer Welt beschäftigen: Der eine handelt von den Grausamkeiten des Krieges („Full Metal Jacket“), der andere von der menschlichen Gier und darüber hinaus von Satan höchst selbst („Im Auftrag des Teufels“).

Das zweite Lied der Stones trägt den mir überaus sympathischen Titel „Sympathy for the Devil“. Ebenfalls ein Klassiker, ebenfalls schon hundertfach gecovert. Worum geht es? Luzifer persönlich stellt sich vor und erzählt von tragischen Ereignissen der Weltgeschichte, an denen er beteiligt gewesen ist… So war er etwa General im Zweiten Weltkrieg, hat zuvor den russischen Zaren getötet, später dann die Kennedys und so weiter. Anschließend verdreht er gesellschaftliche Wertvorstellungen („Just as every cop is a criminal and all the sinners saints“). Am Ende weist er den Hörer darauf hin, wie dieser sich bei einer Begegnung mit ihm, Luzifer, zu verhalten habe: Nämlich höflich, sympathisch und auf eine geschmacklich anspruchsvolle Art und Weise. Wer sich nicht an diese Regeln hält, dessen Seele ist verdammt.

Wie auch „Paint it, black“ klingt dieses Lied ebenfalls musikalisch nicht wirklich böse. Es enthält auch keine tieferen okkulten Weisheiten, sondern repräsentiert einen eher landläufigen Teufel – einen sympathischen Schurken, keine satanische Bestie. Aber dennoch schwingt auch hier diese unterschwellige Bedrohung mit, irgendetwas Schwarzes nistet weit unten im Herzen dieses Liedes…

Beim nächsten Song handelt es sich um „Hotel California“ von den Eagles. Gerüchten zufolge beschreibt die Band mit ihrem Stück das Hauptquartier der „Church of Satan“, welches sich in San Francisco, Kalifornien befindet.
An dieser Stelle muss ich kurz anmerken, dass die gesamte okkulte Musik der damaligen Zeit sich sehr stark auf die USA bezogen hat – auch englische Bands wie Black Sabbath bilden da keine Ausnahme. Die Eagles sind Amerikaner, und so beziehen sie sich auf den bekanntesten amerikanischen Satanisten, nämlich auf Anton LaVey (den Gründer der CoS).
Da es in diesem Artikel um Musik gehen soll, will ich nicht näher auf LaVey eingehen. Ich will nur erwähnen – auch in Bezug auf andere satanische Themen auf diesem Blog – dass ich persönlich nicht viel von LaVeys Version des Satanismus halte…

Wie dem auch sei. „Hotel California“ handelt von einem einsamen Reisenden, der eines Nachts Unterschlupf in einem abseits gelegenen Hotel sucht, wo ihn sogleich eine verführerische Dame in Empfang nimmt. Im Schein einer Kerze führt sie ihn in das Gebäude, und dort erwarten ihn mannigfache Rauschzustände, bestehend aus Alkohol, Drogen und Orgien. Zudem ist er nicht der einzige männliche Gast, denn die ehrenwerte Dame scheint sich einen ganzen Harem an Lustknaben zu halten: „She got a lot of pretty, pretty boys she calls friends“.

Unser Protagonist verbringt nun eine gewisse Zeit an diesem Ort, bis er schließlich an einer Feierlichkeit teilnimmt, welche wohl als Schwarze Messe bezeichnet werden kann. Was genau dort geschieht, ist schwer zu deuten, doch der Held bekommt es mit der Angst zu tun. Er rennt davon und kann wohl entkommen, allerdings wird jene Macht, dessen Gast/Gefangener er war, ihn für den Rest seines Lebens verfolgen: „You can check-out any time you like but you can never leave!“Natürlich kann man das gesamte Lied auch auf eine Drogensucht beziehen (man wird am Ende clean, bleibt aber für immer ein Ex-Junkie), doch mir gefällt die okkulte Sichtweise besser.
Interessant sind vor allem noch zwei weitere Bewohner des Hotels: Der „Night Man“ und der „Captain“. Ersterer ruft dem fliehenden Protagonisten die oben zitierten Abschiedsworte zu, doch um wen es sich bei diesem Nachtmann handelt, kann ich nur vermuten – ist es LaVey? Oder der Teufel?
Der Captain wiederum bringt den Gästen/Gefangenen ihren Wein und freut sich über den Besuch, denn „we haven’t had that spirit here since 1969.“ Mit dem Spirit von ‘69 sind mit Sicherheit jene Morde gemeint, welche die Sekte um Charles Manson  in diesem Jahr begangen hat.
Doch wer ist der Captain? Unwillkürlich muss ich an den Film „Der Exorzist“ denken, denn das besessene Mädchen verleiht dem Dämon, welcher sie heimsucht, den Namen „Captain Howdy“…


Nun ist dieser Artikel doch länger geworden als gedacht, deshalb will ich ihn hier erst einmal beenden. Eigentlich wollte ich jetzt – ganz im Spirit von ’69 – auf ein weiteres Lied eingehen, welches im direkten Zusammenhang mit Charles Manson steht, nämlich auf „Helter Skelter“ von den Beatles, aber das hebe ich mir dann für die Fortsetzung auf…

 

Ein Kommentar zu „Von den Rolling Stones, Necrophobic und den 70ern…

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