Life has gone on long enough von NONE

Froh, dass es bis hierhin ging.

Bandcamp spielte mir ich weiß nicht warum als erstes Lied sieben. Sozusagen das Titellied – ‚Life is long enough‘. Und ich danke Satan dafür.

Das beginnt mit einem echoenden, gequälten Ausatmen, und eine langsame, düstere, eintönige Gitarre stimmt an. Dazu ein lustloses, missmutiges Schlagzeug. Aber interessant… schön negativ. Und was ist das… auf einmal echot aus dem Hintergrund ein Männerlachen… aber kein „Lachen“. Es klingt sofort elend, wird traurig, wird leidend, hysterisch, wahnsinnig, resignierend, weinerlich, boshaft… man meint, in dem sich dazu steigernden fiesen Ausatmen das Wort „Nothing“ zu vernehmen.
…und dann wird man überrollt.
Wie Schleusen, die sich öffnen.
Wie ein Kopfschuss, aber nicht im Moment des Schusses, sondern in dem, in dem hinten alles herausplatzt, explodiert, drischt – und das Ganze in Zeitlupe.

Als das Ende kommt, atmet man aus, geschafft, man hat den Atem angehalten, man war ja unter Wasser, man schluckt, holt tief Luft, und hält den Atem erneut an, auf andere Weise.

Das Ende verrate ich nicht.

Dieses Lied erstmal exzessiv durchtaucht habe ich dann den Rest des Albums gehört. Und es ist einfach nur ein dunkler Traum, ein dunkler Traum. Im tiefsten Dunkel ist man, wenn es endet. Man steckt fest im schwarzen Wasser und hat einiges durchlebt. Man ist matt und fassungslos und will sich ausruhen, darüber nachdenken, die Augen weit offen halten und in das Passierte zurücksehen.
Man fühlt sich, als wäre man mit seinem Auto in einen Fluss gestürzt und nach langer Zeit in letzter Sekunde keuchend aufgetaucht.
Man hat einiges durchlebt. Sei es das anregend hingeblastete „For the world is dead and gray“, das herzberührende, zärtliche Melodiechen in ‚Hypoxic‘ (wie passend), das altmodische Intro, von dem man erst mal gar nicht weiß, was einen erwartet, sein es die feinen, einzelnen Klaviertöne, das Burzum-Glimglam, sein es einfach die fetten, riffigen Gitarren oder nur ein schlicht-schöner Titel wie ‚Bleak, damp and dead‘.

Dieses Album ist Leid und Wut und Leidenschaft in seiner gefühlvollsten Form.

Während die CDs aus Kanada unterwegs waren, hatte ich so gehofft, dass die Texte in den Booklets stehen, doch Fehlanzeige. Ich wollte sie wissen doch man sagte mir, dass die Bandmitglieder, deren Namen auch nur aus Anfangsbuchstaben bestehen, sie nicht öffentlich machen wollen und „Gotta respect the band´s wishes“.
I do. Trotzdem immens schade. So bleiben einem nur/immerhin Songtitel und mal ein Wort, das man versteht. „Life has gone on long enough“ allein ist ja auch schon schön genug.

NONE – Sie ziehen das konsequent durch. Kein Name, keine Namen, keine Texte, kein Internetauftritt. Mir gefällt das. Man hat nur die Musik, nur die Musik.

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