Cascadian Black Metal – Wither von Drawn into Descent

Kürzlich wurde mir die Musikrichtung „Cascadian Black Metal“ zugetragen. Wie sich herausstellte, mochte ich bereits viele der Bands, die damit beschrieben werden. Nur den Begriff hatte ich nie zuvor gehört.

Was ist eine Kaskade? Recherchen ergeben: Ein Wasserfall in Form von Stufen. Das passt bereits. Außerdem: Im übertragenen Sinne eine Verkettung von Ereignissen oder Prozessen, wobei alle Ereignisse auf die vorhergehenden aufbauen. Das passt auch.

Das passt vor Allem zu dem brandneuen Lied einer Band, die ich neulich entdeckte.

Avantgarde Music haben mich mit Werbung für das letzte, erste Album der Band dermaßen geradezu genötigt, dass ich irgendwann dachte: „Was solls, klicks mal an.“ Den folgenden Samstag habe ich nichts anderes gehört als dieses Album.

Gemeint sind Drawn into Descent aus Belgien. Zugegeben, wahrscheinlich war es der recht uninnovative, etwas kitschige Bandname, der verhindert hat, dass ich es mir angehört habe. Der Grund, warum man so mit ihrem 2015 erschienenen, selbstbetitelten Album bombardiert wurde, ist indes der, dass gerade jetzt ihr zweites Album raus ist – The endless Endeavour.

Am 24. Januar veröffentlichten sie bereits ein erstes Lied – Wither.

Und das ist ein Lied…

Dieses Lied übertrifft alles, was das letzte Album vereint. Es hat diese Kaskade wie kein zweites Lied, das ich kenne, zumindest fällt mir keins ein, was daran liegen kann, dass ich, wenn ich dieses Lied höre, an kein anderes Lied denken kann – und will.

Es hat alles. Die Band hat es an sich, minutenlang immer die gleiche Melodie zu spielen, aber in jedem Durchlauf, jedes Mal, anders. Cascadian par excellence. Mal schneller, mal langsamer, mal fetzig, mal traurig, mal minimalistisch, mal bombastisch, bisweilen fast vergnügt und schließlich scheppernd.

Wenn es aus dem Nichts so fett zu blasten anfängt, kann man nur in seinem Tun abbremsen und ungläubig Richtung Anlage sehen. Man hört ergriffen zu, bemerkt ein „Tsing tsing tsing“ auf das Becken, hört weiteres Scheppern und unbarmherziges, gequältes, wunderschönes Geschrei… und auf einmal macht es Wusch und ein Gitarrenspiel wie ein plätschernder Bach nimmt einen unverhofft mit.

Es gibt Gitarrenpassagen, da sieht man den Spielenden förmlich vor sich mit seiner Gitarre und seiner Melodie in seiner Blase schweben und beschwingt Glück ausstrahlen.

Hochtöniges Gefrickel folgt, das nicht zu enden scheint, in immer neuer Spielweise, sich steigernd, dass man ungesteuert die Augen schließt und die Augenbrauen zusammenkneift. Bis man auftaucht in ein ungeahntes Wrrumm aus der tiefen E-Gitarre.

Man taucht auf und sinkt wieder hinab.

Wenn man das Lied einige Male gehört hat, erinnert man sich nach drei Vierteln, dass ja gleich das Finale kommt. Man freut sich drauf. Denn das ist ein Finale, das in den letzten vierzig Sekunden noch mal alles rausholt. Von dem man sich wünscht, es würde eine halbe Stunde weiter gehen. Ein schmissiger, harter Moshpart. Ich stelle mir vor, sie tun es auf einem Konzert, spielen es, bis niemand mehr moshen kann.

Ein Wasserfall in Form von Stufen. Eine Verkettung von Ereignissen oder Prozessen, wobei alle Ereignisse auf die vorhergehenden aufbauen. So ist es und nicht anders.

Selbst jetzt nach nur ihrem zweiten Album in vier Jahren finde ich, kann man sogar schon von einem Sound sprechen. Von dem könnte man tatsächlich sagen: Das sind doch Drawn into Descent.

Auf dem ersten Album fand ich den Gesang etwas dünn. Doch hier, speziell in diesem Lied, schreit er gleich zu Beginn nach einem feinen Eingangsgedresche so wundervoll los, dass es mich alles Negative vergessen lässt.

Auch das Schlagzeug hatte ich zu schwächlich gefunden. Das machte nicht das Spiel, sondern die Aufnahme, denke ich. Diesmal ist es viel kraftvoller und man kann allein im Schlagzeugspiel immer wieder etwas entdecken, das einem im vorherigen Durchgang nicht aufgefallen ist („Tsing tsing tsing“). Und mehr Becken. Danach hatte ich mich gesehnt. Man kann nie genug Becken haben.

Man braucht eigentlich kein anderes Lied als dieses. Eigentlich nicht.

Diese Melodien, diese Brutalität, diese überraschende Sanftheit, dieses In your face, dieses Warten, was als Nächstes kommt.

Dieses Lied bringt wirklich das Herz zum Stoppen.

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