Monotheismus – billiger Massengeschmack

Dies hier soll nun keine Hasstirade gegen monotheistische Religionen sein, diese Aufgabe wird schon von tausenden von Black Metal-Songs übernommen. Ich will lediglich ein paar Gedanken zu Papier bringen, bezogen vor allem auf die zwei größten Glaubensgemeinschaften monotheistischer Art, nämlich Christentum und Islam.


Ich bin der Ansicht, dass der Glaube an nur einen Gott – und der damit einhergehenden Verneinung anderer Götter – ein äußerst stumpfsinniger Glaube ist, engstirnig und für schlichte Gemüter geschaffen.
Denn unsere Welt besteht aus einer nahezu unendlichen Anzahl an Aspekten, welche man – so man denn polytheistischen Glaubens ist – den unterschiedlichsten Göttern zuordnen kann. Um das gleich klarzustellen: Ich betrachte Götter als Aspekte oder Eigenschaften der Welt bzw. als Aspekte unserer Persönlichkeit. Die Suche nach Erkenntnis beispielsweise würde ich als „Odin“ bezeichnen (da dieser nach eben jener sucht), die Natur in ihrer friedlichen Form könnte man „Gaia“ nennen (die Erde ist im griechischen Heidentum der Leib Gaias), und in ihrer zerstörerischen Form „Tiamat“ (denn bei den Sumerern ist die Erde der Leib Tiamats, nur dass es sich bei dieser um ein grässliches Ungeheuer handelt) und so weiter. Götter sind Namen für Naturgewalten, für Empfindungen, für sonstwie geartete Kräfte. Ich glaube nicht, dass ein Gott eine Person ist, die auf irgendeiner überirdischen Ebene existiert. Ich glaube vielmehr, dass Götter jene Kräfte sind, welche uns antreiben oder behindern, sich uns in Schönheit offenbaren oder uns die Stärke geben, gewisse Aufgaben zu bewältigen.

Ich betrachte die Welt deshalb auf diese Weise, weil sie mir so reizvoller erscheint, mystischer, romantischer. Weil es mir Kraft schenkt, wenn ich im Sturm Odin sehe (er ist da sehr vielfältig), in Freundschaft und Zusammenhalt Thor (sein Hammer kehrt immer zu ihm zurück, weshalb Thor als Schwerkraft interpretiert werden kann oder aber allgemein als Kraft, die alles zusammenhält) oder, wenn ich in Meditation und Ritual versuche, mein Unterbewusstsein erforschen, dieses mit den Götternamen Hades (griechische Unterwelt) oder Hel (germanische Unterwelt) belege. Ich bin der Meinung, dass man sehr viel kraftvoller und bewusster durchs Leben geht, wenn man die Aspekte unserer Welt mit göttlichen Mächten gleichsetzt, statt sie in rationaler Nüchternheit zu betrachten – denn die Hinwendung zum Göttlichen ist etwas Emotionales, und es sind schließlich unsere Emotionen, die uns antreiben und unserem Leben so etwas wie Sinn verleihen.

 

horror-2156302

 

Zurück zum Glauben an nur einen Gott. Diesen empfinde ich insofern als Einschränkung, als dass man die Aspekte in uns und um uns herum auf ein einziges, einfaches Konstrukt reduziert, was wiederum zu Blindheit gegenüber der Vielfältigkeit dieser Welt führt. Betrachtet man jeden Aspekt einzeln, denkt man speziell über das Wesen dieses Aspektes nach; versucht man ihn konzentriert zu erfahren und zu erforschen, so gewinnt dieser Aspekt eine ungeheure Intensität, was ihn uns wiederum intensiver und vielschichtiger erleben lässt. Wer aber sagt, dies alles  sei (nur)„Gottes Werk“, der fasst die einzelnen Nuancen unserer Welt zu einer Art „grauen Brei“ zusammen. Der lässt all die verschiedenen Kräfte und Aspekte zu einer grauen Masse verschmelzen, nimmt ihnen die Individualität, verhindert somit die intensive Erfahrung mit den jeweiligen Gottformen.

Natürlich kann man sagen, dass „Gott“ (Jehova/Jahwe/Allah) aus vielen Aspekten besteht, und dass man diese auch durchaus einzeln betrachten kann – aber letztlich führt doch jede einzelne Betrachtung wieder zurück zu diesem einen Gott, man bleibt innerhalb der „Mauer“ des christlichen bzw. islamischen Glaubens und sperrt sich gegenüber der Vielfalt unserer Welt, bleibt also engstirnig.


Sehr viel offener sehe ich da das Heidentum. Denn als Heide verehrt man selbstverständlich seine eigenen Götter, jedoch akzeptiert man, dass es außerhalb der eigenen Religion auch noch andere Gottheiten gibt. Man sagt nicht „Mein Gott existiert und deiner nicht“, so wie es in Christentum und Islam praktiziert wird, sondern man sagt „Mein Gott ist zwar (für mich) der bessere, aber ich erkenne an, dass deiner ebenfalls existiert“. Man verneint nicht einfach stumpfsinnig andere Götter und damit Glaubensinhalte, man akzeptiert sie. Man muss fremde Götter nicht mögen, man kann sie gar bekriegen – aber man sollte nicht so ignorant sein, ihnen die Existenz abzusprechen. Denn wer so denkt, der ist kurzsichtig, intolerant und eingeschränkt in seinem Denken.

Ein gutes Beispiel für diese religiöse Offenheit war das Römische Imperium: Jeder Bürger Roms durfte glauben, woran er wollte, an welche Götter er wollte. Er musste nur akzeptieren, dass Jupiter der Höchste war. Diese Vorgehensweise erachte ich als weitaus menschenfreundlicher als die Vorgehensweisen von Christentum und Islam: Denn in Rom zwang man Andersgläubige nicht dazu, ihren Glauben aufzugeben. Es herrschte Religionsfreiheit – zwar mit der eben genannten Einschränkung, aber das finde ich in Ordnung: Jupiter hatte eben alle anderen Götter besiegt, und ich glaube, dass dies von den eroberten Völkern auch so akzeptiert worden ist. Ich glaube nicht, dass irgendein Germane Jupiters Existenz verleugnet hat, weil er selbst ja an Odin glaubte – ich denke vielmehr, dass die Germanen akzeptiert haben, dass Jupiter über Odin den Sieg davongetragen hat. Und dass genauso gut irgendwann Odin wieder siegen kann (bzw. es ja auch getan hat, in der Schlacht im Teutoburger Wald). Ein Heide ist meiner Ansicht nach nicht so anmaßend und ignorant, fremde Götter zu verleugnen – er glaubt an ihre Existenz, selbst wenn er in ihnen den Feind sieht.

 

sculpture-3194555

 

Kommen wir zur Jenseitsvorstellung. Christentum und Islam lehren, dass es nur ein Leben auf dieser Erde gibt. Ist dieses beendet, so gelangt man in den Himmel oder in die Hölle. Mir ist bewusst, dass ein Großteil der Christen heutzutage nicht mehr an die Hölle glaubt, aber die Vorstellung daran ist noch immer vorhanden, und ohne Hölle würde ein christliches Leben ja auch keinen wirklichen Sinn ergeben – denn dann dürfte man sündigen ohne Ende, könnte sich benehmen wie die letzte Dreckssau, und würde trotzdem Einzug halten ins Paradies. Das ganze christliche Konzept von der Ursünde macht überhaupt keinen Sinn ohne jenseitige Konsequenz, deshalb frage ich mich, ob ein Christ, der nicht an die Hölle glaubt, sich wirklich noch als Christ bezeichnen darf…

Wie dem auch sei – ich selber glaube an die Wiedergeburt, wie ich in einem früheren Artikel ja schon ausgiebig erläutert habe. Aber selbst wenn ich dies nicht tun würde, so würde mir die Vorstellung, dass man aufgrund seines kurzen Erdenlebens mit Himmel oder Hölle bestraft wird – und zwar bis in alle Ewigkeit – als vollkommen absurd erscheinen. Dazu möchte ich einen kurzen Abschnitt aus dem Buch „Praxis der Weißen und Schwarzen Magie“ von Det Morson zitieren:

 

„Was ist das für ein Gott? Für lediglich gelebte fünfzig, sechzig, siebzig Jahre, etwas weniger oder mehr, gewährt er einen Himmel unvorstellbarer Seligkeiten. Und das in alle Ewigkeit.
Für die gleiche Spanne Erdensein droht dem Ungehorsamen, dem Missetäter, fürchterlichste Pein, die grauenvoller keines Sadisten Hirn erdenken kann, die unsäglichsten Qualen durch alle Ewigkeiten…
Was muss das für ein Wesen sein? Mit welch grauenhaft gigantischen Proportionen rechnet es? Das kurze, ach so kurze Leben – und dieses, jede Phantasie höhnende, unaussprechliche Äonenmaß!“

 

Der Glaube daran, dass nach dem Erdenleben nur noch eine weitere Form der Existenz erfolgt, ist in meinen Augen ein äußerst einschränkender (oder, mit einem bösen Wort: beschränkter) Glaube – das gilt im Übrigen auch für Atheisten, die, bezogen auf die Anzahl der Existenzen, dasselbe glauben wie Christen oder Moslems.


Ich habe nun als Beispiel für monotheistische Religionen das Christentum und den Islam aufgeführt, weil diese beiden die am weitesten verbreiteten Formen dieser Glaubensart sind. Andere Formen wären natürlich noch das Judentum, der Zoroastrismus (aus Persien bzw. dem heutigen Iran) und der Sikhismus (aus Indien). Auch diesen werfe ich Engstirnigkeit und Blindheit gegenüber der Vielfältigkeit unserer Welt vor, aber in einem Punkt sind sie weniger schlimm als Christentum und Islam: Sie missionieren nicht (zumindest heutzutage, in früheren Zeiten mag dies anders ausgesehen haben).

Die beiden großen Religionen tun dies aber durchaus: Das Christentum will, dass alle Menschen Christen, der Islam, dass alle Menschen Moslems sind.
Der Vorstellung einer einheitlichen Weltreligion mag friedlich klingen, aber sie widerspricht der Realität: Denn zum einen müsste diese Religion mit Zwang durchgesetzt werden, was ganz und gar nicht friedlich ist, zum anderen gibt es ja auch Streit innerhalb der beiden großen Religionsgemeinschaften, siehe Protestanten/Katholiken oder Sunniten/Schiiten. Gäbe es eine einzige Weltreligion, so würde man sich trotzdem weiterhin bekriegen, da jeder die Inhalte dieser Religion anders auslegen würde.

Darüber hinaus finde ich es verächtlich, anderen seinen Glauben aufzwingen zu wollen. Sicherlich wird auch versucht, dies ohne Zwang zu bewerkstelligen, und zwar durch bloße Argumentation – aber diese Missionierungsversuche gehen immer mit der Vorstellung einher, dass der andere Glaube minderwertig oder gar blödsinnig ist bzw. dass die Götter des anderen nicht existieren. Wer jemandem von seinem Glauben überzeugen möchte, muss den Glauben des anderen anerkennen – alles andere wäre respektlos, anmaßend und engstirnig. Wenn man aber davon überzeugt ist, dass nur der eigene Gott existiert, man sich also im Besitz der einzigen Wahrheit wähnt, dann kann man gar nicht anders, als diese drei verachtenswerten Verhaltens- und Denkweisen an den Tag zu legen.


Abschließend sei noch erwähnt, dass ich in der christlichen und islamischen Beschränktheit den Grund für den Erfolg dieser beiden Religionen sehe: Sie sind einfach strukturiert, reduzieren die gesamte Welt nur auf einen Gott und sind demnach leicht verständlich für jeden Menschen, egal wie klug oder dumm er ist. Es sind Religionen für die Massen, über deren grundlegende Inhalte man nicht groß nachdenken muss, und die man von daher als nicht-anspruchsvoll bezeichnen kann. Billiger Mainstream könnte man sagen. Wären Christentum und Islam Musikrichtungen oder Bands, so würde ich sie als Kommerzscheiß bezeichnen.

 

upsidedowncross

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s