Dunkle Wasser, schwarze Fluten – „Realms“ von DARKHER

Nachdem meine Black Metal-Rezensionen nun ihren Platz bei Unholy Black Art Of Ritual gefunden haben, möchte ich mich an dieser Stelle einer musikalischen Darbietung aus einem anderen Genre widmen – auch wenn es mir in diesem Fall schwer fällt, das Genre eindeutig zu definieren; am ehesten würde ich von Dark Folk sprechen, versehen mit einer emotionsgeladenen Portion an düsterer Rockmusik…

 

Darkher - Interview mit Jayn H. Wissenberg zu "The Kingdom ...

 

Wie dem auch sei, die Sprache ist von „Realms“, dem ersten Album der brittischen Künstlerin Jayn „Darkher“ Wissenberg, welche ihre Band auch gleich nach sich selbst benannt hat. Und dass eine Menge Weiblichkeit in DARKHER steckt, lässt sich nicht bestreiten: Der Bandname spricht für sich, und das Logo erinnert mich irgendwie an weibliche Geschlechtsorgane – in äußerst mystischer Gewandung…

 

Mystik ist ein Schlagwort, welches sich sehr gut auf das gesamte vorliegende Werk beziehen lässt. Das Artwork des Albums bietet uns dunkle Farben, unheimlich anmutende Landschaftsbilder und aufsteigende Raben… Die Künstlerin selbst erinnert an eine Prophetin oder Priesterin, deren Stimme uns von Stürmen, Fluten und anderem Unheil erzählt.

Auch wenn die Musik zu großen Teilen ruhig gehalten ist, so ist sie doch durchsetzt von immer wieder anschwellenden Bedrohungen. Man verspürt eine gewisse Sehnsucht nach Frieden und auch nach Schönheit, doch dann bricht die Dunkelheit hervor, und alles Schöne wird in Tragisches verwandelt. Emotionale Gezeiten tun sich hier auf, äußerst passend zu den in den Texten erwähnten Katastrophen, welche uns das Wasser bringt.

Das Wasser wird hier mit Finsternis und Ewigkeit gleichgesetzt – es tritt in „Realms“ als eine Kraft auf, die alles, was ist, verschlingt. Und immer wieder ruft die Prophetin, wenn ich sie denn so nennen darf, zur Flucht auf, zum Aufbruch. Gleichzeitig verspricht sie, dass nach den schwarzen Fluten die Rettung kommen wird – ein Licht oder gar ein Erlöser, wie in „The Dawn brings a Saviour“ beschrieben:

The Dawn brings a Saviour
Following the tide
And soon this will be over
In silence everlasting

 

Wer nicht gewillt ist zu fliehen, dem wird im Titel „Moths“ die Alternative aufgezeigt, sich mit der Finsternis zu verbinden, um mit dieser schließlich ins Licht zu gelangen:

Lay peacefully, and no more will be haunted
Hide in my dreams and we will make, this out fortress

I want to live
Not be afraid and forsaken
Rise from the embers to the flames
As we circle the Moon

 

Im letzten Stück „Lament“, was u.a. mit „Totenrede“ übersetzt werden kann, wird die Finsternis gar als reinigend bezeichnet:

I long for the rain to keep falling
Let it wash all my tears to the ground
And wake in the arms of the dawning
as he returns to me

 

Auch aus diesen Worten spricht Hoffnung für die Zeit nach der Dunkelheit. Gleichzeitig ist wiederum von einem Erlöser die Rede, der aber ebenso ein verlorener Liebhaber sein könnte. So enthalten die Texte auch einen gewissen Anteil an Trauer – gut möglich, dass hier der Verlust eines geliebten Menschen besungen wird. Von diesem Standpunkt aus betrachtet könnte das beschriebene Untergangsszenario auch als ein Ausdruck von eben Trauer und Verlust gedeutet werden, auch wenn sich nicht jedes Lied in dieses Bild einfügen lässt.

 

Bleibt zu sagen, dass es sich bei „Realms“ um ein sehr emotionsgeladenes Werk handelt, dessen Gefühlswallungen aber nicht durch Hektik bestimmt sind, sondern sich stimmungsvoll auf- beziehungsweise abbauen. Musikalisch sehr atmosphärisch – dem Gesang haftet eine gewisse traurige Hoffnung an, bisweilen geht er gar ins leicht Gespenstische über… Gleichzeitig gefällt mir, dass man auch sehr viel Wert auf die rein instrumentale Umsetzung gelegt hat: In zwei Stücken ist gar kein Gesang enthalten, während die Lieder mit Gesang gewisse Ambient-Elemente aufweisen, die den Hörer in Welten über die Stimme der Sängerin hinaus entführen. Obwohl die Stimme selbst ihre eigenen, tiefen Räume hat – in diesem Sinne finde ich auch den Titel des Albums sehr gut gewählt…

 

Erschienen ist diese Scheibe 2016, und ich warte gespannt auf eine Fortsetzung.

 

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