Mensch & Natur

„Der Mensch ist die Krone der Schöpfung“ wie es so schön heißt, und dem stimme ich zu. An Erfindungsreichtum und Intellekt sind wir allen anderen Wesen auf der Erde überlegen, und das Wichtigste: Wir geben der Welt einen Sinn. Erst wir bestimmen, was gut und was schlecht ist, wir sagen, was sinnvoll ist und was unsinnig; was Bedeutung hat und was als belangslos abgestempelt werden kann. Und wir beherrschen die Natur, haben sie uns zum Untertan gemacht.

Und jetzt kommt der Knackpunkt: Wenn die Natur unser Untertan ist und wir ihr König – sind wir denn ein guter König? Ich sage nein. Denn wir behandeln unsere Untertanen im Großen und Ganzen nicht gut, sei es im Umgang mit Pflanzen oder mit Tieren. Und auch uns selbst, die wir ja ebenfalls Geschöpfe der Natur sind, behandeln wir zumeist schlecht. Pflanzen, Tiere, Menschen, der ganze Planet leidet am Menschen.

So muss es aber nicht sein – zumindest nicht in diesem Ausmaß. Dass das Leben darauf beruht, dass es anderes Leben nimmt, ist klar. Wir ernähren uns von anderen Lebewesen, für Kleidung und Wohnraum benötigen wir Rohstoffe aus der Natur, und vieles Natürliche muss weichen, damit wir einen Platz zum Wohnen haben. Und ich finde es auch in Ordnung auf Kosten der Natur zu leben, da dies der natürliche Lauf der Dinge ist – nur sollten wir uns darum bemühen, diese Kosten so gering wie möglich zu halten.

Ich plädiere nicht für ein „Zurück zur Natur“, für einen Rückschritt in primitivere Zeiten. Der Fortschritt hat uns schon viele Vorteile und Annehmlichkeiten verschafft, und ich denke, dass der Mensch auch das Recht dazu hat, sein Wissen und seine Erkenntnisse anzuwenden.

Mein Problem ist, dass die meisten Menschen sich bei ihrem Voranschreiten immer weiter von der Natur entfernen. Das finde ich falsch, so sollte es nicht sein. Es geht nicht darum, die Natur mit Technik und Wissenschaft zu überwinden, sie zu zerstören, sie zu verhöhnen. Nein, Technik und Wissenschaft sollten Hand in Hand mit der Natur gehen. Fortschritt und Naturverbundenheit müssen keine Widersprüche sein, vielmehr sollten sie sich ergänzen und eine fruchtbare Koexistenz führen.

„Zurück zur Natur“ wäre ein Rückschritt. Deshalb sage ich „Hin zur Natur“, nach vorne in die Natur hinein! Nicht nach früheren Zeiten streben, weil diese kommen nicht wieder, das Rad lässt sich nicht zurückdrehen; aber nach vorne lässt sich streben, mit dem Ziel, sich mit der Natur zu verbinden, statt sie auszubeuten. Die Menschheit sollte nicht primitiver werden und wieder auf Bäumen leben – sie soll ruhig ihre Städte bauen, aber bitte in Verbindung mit der Umwelt! Also viele Bäume, viel Grün und natürlich – so weit wie möglich umweltschonend.

Meine Utopie sind Städte, in denen moderne Technik existiert, in denen wir alle Strom und Internet und dergleichen haben, die aber auch von Wäldern umgeben sind, in welche die Wälder teilweise hineinragen, sodass man auch innerhalb der Stadt stets eine Verbindung zur Natur hat. So etwas ist Wunschdenken, klar, aber dies wäre für mich ein idealer menschlicher Lebensraum. Denn Städte, die nur aus Beton und Technik bestehen, sind das Gegenteil von Natur.

Zurück zur Krone der Schöpfung. Der Mensch beherrscht weitgehendst die Tiere und Pflanzen, aber er behandelt sie nicht gut. Er ist ein schlechter König, und er sollte sich darum bemühen, ein guter zu werden. Denn wer seine Untertanen ausbeutet und misshandelt, der hat seinen Thron nicht verdient. Der muss von seinem Thron gestoßen werden – oder aber sich bessern.

Und Besserung ist nicht schwer. Zumindest im kleinen, privaten Bereich kann man einiges für die Umwelt tun. Natürlich ist es frustrierend, wenn man selber auf Umweltschutz achtet und sich z.B. darum bemüht, weniger Müll zu produzieren, vegan/vegetarisch lebt oder eher das Fahrrad als das Auto benutzt; und wenn man dann hört, wieviel Schadstoffe beispielsweise China oder die USA in die Umwelt pumpen. Da fragt man sich, ob die eigenen Bemühungen überhaupt Sinn machen.

Aber das tun sie, denn wie anfangs gesagt: Der Mensch gibt der Welt einen Sinn. Und wenn ich als einzelner kleiner Mensch es als sinnvoll erachte, bei meinem Fernseher den Stecker zu ziehen damit er nicht die ganze Zeit auf Standby Strom verbraucht, dann hat das Sinn. Weil ich als Mensch gebe diesen Sinn.

Schlimm und beinahe pervers finde ich es, wenn man sorgsam mit der Umwelt umgeht, und dann dafür ausgelacht wird. Ich esse z.B. selber kein Fleisch und nur selten andere tierische Produkte, und was musste ich mir nicht alles schon für dumme Sprüche anhören! „Veganer/Vegetarier essen meinem Essen das Essen weg“ – an Dummheit nicht zu überbieten!

Und da frage ich mich, was das soll: Wieso wird man verhöhnt, wenn man die Natur achtet und respektiert? Wenn man etwa den Missbrauch an Tieren ablehnt und nicht unterstützt, und dafür dann mit blöden Sprüchen zugetextet wird? Wieso – auch in anderen Bereichen – stößt ein sorgsamer Umgang mit der Natur auf so viel Hohn? Man tut etwas Gutes und wird ausgelacht – und da wundern sich einige, dass manche eine misanthropische Einstellung entwickeln…

Ich frage mich, wie ernst es vielen mit ihrer Naturverbundenheit ist. Ich denke da jetzt vor allem an den Black und Pagan Metal, wo Natur und Heidentum ja immer hochgehalten werden. Und wenn man sich dann die Müllberge am Ende eines Festivals anguckt, kommen einem Zweifel, ob die Verantwortlichen wirklich so heidnisch und naturverbunden sind, wie sie behaupten.

Ich meine – mit Sicherheit gibt es viele Anhänger des Black Metals und Pagan Metals, die auf einen gewissen Grad von Umweltschutz achten und keine Müllberge hinterlassen. Ich will auch niemandem Heuchelei unterstellen, aber ich frage dennoch: Jede Band, die über die Schönheit der Natur und dergleichen singt, wie ernst ist es den Mitgliedern mit dieser Einstellung? Was tun sie für ihre Naturverbundenheit? Gehen sie z.B. Wandern, achten sie beim Einkauf auf Nachhaltigkeit, versuchen sie ihren Müll zu reduzieren? Weil die Natur zu lobpreisen ist nicht schwer, aber auch danach zu leben..?

Ich muss an dieser Stelle einmal lobend das Metal-Magazin „Waldhalla“ erwähnen, welches sich Naturverbundenheit auf die Flagge geschrieben hat und hauptsächlich solche Bands bespricht, die auch einen Bezug zur Umwelt haben. Und welches den Erlös aus dem Verkauf seiner Erstausgabe einem Projekt zum Schutz der Wölfe in Deutschland gespendet hat. Und das darüber hinaus auch allerlei Rezepte für umweltschonendes/natürliches Kochen anbietet (plus Bier-Empfehlungen, hehe). Hier hätten wir ein gutes Beispiel dafür, dass man nicht gleich riesige aufwendige Aktionen à la Greenpeace starten muss, um etwas für die Umwelt zu tun.

Oder – hat jetzt nichts mit Metal zu tun – die Suchmaschine „Ecosia“. Funktioniert genauso einfach wie Google, spendet seine Einnahmen aber in weltweite Projekte zur Aufforstung der Wälder. Eine umweltverträgliche Alternative zum Google-Riesen.

Es gibt viele einfache Dinge, die man tun kann, um respektvoller mit der Natur umzugehen und sich seine Königswürde zu verdienen. Denn dass der Mensch der Herrscher der Welt ist, dagegen ist nichts einzuwenden – er sollte nur ein guter, gerechter und weiser Herrscher sein, und dazu gehört eben vor allem die Achtung vor der Natur.

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