Verborgene Schönheiten: „The Secrets of the Black Arts“ von Dark Funeral

Wieder einmal treibt es mich dazu, eine Rezension zu einem Album zu schreiben, welches schon viele Jahre auf dem Buckel hat, sich schon ewig in meinem Besitz befindet, und das nach wie vor eines der besten überhaupt ist: „The Secrets of the Black Arts“ von DARK FUNERAL.

Dark Funeral ist eine Band, die ansonsten nicht zu meinen Favoriten zählt, weil sie vor allem eines ist: Schnell. Rasendes Tempo, die Gitarren rauf und runter, immer schneller, lauter, extremer… Ich persönlich bevorzuge eher Black Metal im mittleren bzw. langsamen Tempobereich, reinen Knüppelorgien kann ich nur selten etwas abgewinnen. Doch es gibt Ausnahmen, und bei „The Secrets of the Black Arts“ handelt es sich um eine solche.

Ein Album, dessen Lieder im Zeitraum von 1993-1995 entstanden sind, und das ‘95 oder ’96 erschienen ist. Aber Fakten will ich hier gar nicht aufzählen, es geht wie immer um die Emotionen, welche in dieser Platte stecken und in mir (und hoffentlich auch in anderen) hervorrufen. Ein Album also, welches vordergründig mit hoher Geschwindigkeit und Brutalität aufwartet, das hintergründig aber über eine solche Fülle an Schönheit verfügt, dass man sich nur schwerlich daran satthören kann.

Wenn ich „The Secrets…“ mit einem Wort beschreiben müsste, dann wäre es vermutlich wunderschön. Und wie so oft zeigt sich dieser Aspekt nicht sofort, sondern es dauert seine Zeit, bis man das Album in seiner ganzen Pracht erkannt hat. Denn die zerstörerische Schnelligkeit dieser Scheibe mag zunächst abschreckend wirken, mag die Schönheit hinter einem Wall aus Lärm verbergen. Aber damit wären wir ja wieder bei einem der wesentlichen Dinge des Black Metals: Musik, die aufgrund ihrer Aggressivität nicht jedem zugänglich ist, sich der breiten Masse damit verweigert, die aber diejenigen, welche tiefer in sie dringen und ihre Geheimnisse erforschen, mit mannigfaltigen Wundern belohnt.

Wunderschöne Melodien sind hier zu hören, und beinahe würde ich dieses Album schon als beruhigend bezeichnen, obwohl es so schnell ist. Mein Lieblingsstück darauf ist vermutlich The Dawn no more rises – ein Lied, geprägt von einer solch beruhigenden Atmosphäre, mit balladenhaften Melodien und leicht hymnenhaften Charakter. Ich könnte es mir auch gut von einem Streichquartett gespielt vorstellen.
Textlich handelt es von einer Dunkelheit, die über die Welt kommt, von Schatten und einem schwarzen Himmel. Blitze zucken, Feuerstürme fegen über das Land und setzen Engel in Brand. Erinnert mich vom Text und auch von der eingängigen Melodie her stark an DISSECTIONs Where dead Angels lie, obwohl beide Lieder musikalisch sehr verschieden sind. Wie zur Bestätigung dieses Vergleichs lassen DARK FUNERAL als nächsten Titel ein Stück namens When Angels forever die auf den Hörer los…

Generell geht es auf „The Secrets of the Black Arts“ vornehmlich um Dunkelheit. Um eine spirituelle Finsternis, in der Ruhe und Gelassenheit zu finden sind. Aber auch um Erkenntnis und die damit verbundenen Qualen. Satan’s Mayhem behandelt darüber hinaus Einsamkeit und Isolation, The Fire Eternal spricht von der Opferung des eigenes Ichs bzw. der eigenen Seele.
Immer wieder ruft der „Protagonist“ dieses Albums (kein ganz passender Begriff, aber ich verwende ihn jetzt mal) Satan an, er möge ihn mit Feuer und Schmerz reinigen, auf dass er erleuchtet werde und hinter den Vorhang blicke. Es geht um Erkenntnis durch Leid, um jenen Weg, der in so vielen okkulten Traditionen beschworen wird: In der Religion der Hindu-Göttin Kali, auf den dunkleren Pfaden der hebräischen Kabbala; allgemein im Druiden- und Schamanentum. Man muss in die Finsternis eintauchen, bevor man das Licht erblickt.
DARK FUNERAL beschreiben diesen Weg mit satanischen Begriffen, mit dem Abstieg in die christliche Hölle, auf deren Grund der Lichtbringer Luzifer wartet. Um in diesem Zusammenhang kurz die ersten Zeilen des Titelsongs The Secrets of the Black Arts zu zitieren:

„Lucifer
Show me the secrets enshrined
The hidden source of eternal wisdom
That dwells within the abyss“

Natürlich sind Texte dieser Art nichts Neues oder Außergewöhnliches im Black Metal, aber dadurch, dass viele den erkenntnisreichen, spirituellen Abstieg besingen, werden diese Worte ja nicht unwahr. Und wenn man bedenkt, dass DARK FUNERAL älter sind als viele andere Bands heutzutage, dann mag man sich vielleicht vorstellen, dass diese Worte damals noch nicht ganz so „ausgelutscht“ waren wie heute.

Ein anderes, vielbesungenes Thema im Black Metal ist Transsilvanien. Diese Region scheint gerade in den Anfangszeiten viele Musiker inspiriert zu haben, was aber auch nicht verwunderlich ist, als Heimat von Vampiren, Werwölfen und natürlich Dracula. Aber auch Transsilvanien hat heutzutage einen kitschigen Einschlag, doch es gilt das oben Gesagte: 1994/95 hing an diesem Thema noch nicht ganz so viel Kitsch, und auf „The Secrets of the Black Arts“ geht es gleich in zwei Liedern darum:

Shadows over Transylvania enthält eine sehr stimmungsvolle Beschreibung dieses legendären Landstrichs, inklusive Vollmond, Wolfsgeheul und einem altehrwürdigen Schloss.
Bloodfrozen wiederum wird von einem Vampir erzählt, der sich des nachts aus seinem Sarg erhebt, um auf die Jagd nach Blut zu gehen. Dieses Lied war übrigens zu Beginn mein Favorit, da mir der vergleichsweise sehr langsame Anfang sehr gut gefallen hat (und es noch immer tut); außerdem verfügt dieses Lied nicht nur über eine wunderschöne, sondern vor allem auch über eine durchaus bedrohliche Hauptmelodie.

Ein Titel auf diesem Album sagt mir nicht besonders zu, und zwar „Satanic Blood“, eine Cover-Version der amerikanischen Black Metal-Band VON (ich habe leider keinen Youtube-Link dazu gefunden). Schnell, hektisch und für meinen Geschmack zu stumpf. Man muss aber dazu sagen, dass das Original wohl einer der ersten Black Metal-Songs der USA war, wenn VON nicht gar die erste schwarzmetallisch-amerikanische Band überhaupt sind… Noch sehr primitiv gespielt, aber wir sprechen hier von der Geburtsstunde des heutigen Black Metals (das Stück ist von ‘92), da ging es mehr um das Extreme und die Abkapselung vom Death Metal, von daher ist es in Ordnung, dass „Satanic Blood“ so klingt wie es klingt, auch wenn es mir nicht gefällt.

Was bleibt noch zu sagen, über „The Secrets of the Black Arts“? Ach ja, das Beiheft. Wie immer wichtig für mich, weil Teil des Gesamtwerkes.
Auf dem Titelbild tragen dunkle Mönche einen Sarg durch eine zerklüftete Felslandschaft mit kahlen Bäumen. Im Hintergrund erhebt sich die Ruine einer Kathedrale oder eines Klosters. Im Booklet findet man dann ein Bild aus dem Inneren dieses Gebäudes. Hinzu kommen ein brennendes Kreuz sowie ein düsteres Schloss oder Burg. Müsste ich die Aufmachung des Beiheftes örtlich benennen, so würde ich sagen, die Bilder zeigen Transsilvanien – dafür spricht auch der Sarg des Covers, in dem durchaus ein Vampir liegen könnte.
Insgesamt stimmungsvoll in Szene gesetzt, passend vor allem zu den Texten der beiden „Transsilvanien-Lieder“.

Fazit:
Ich mag dieses Album. Es ist keine bloße Knüppelei, kein simples „härter, schneller, lauter“. Es trägt eine tiefe Atmosphäre in sich, und hat man erst einmal das Tor aus Geschwindigkeit und „Lärm“ durchbrochen, dann übt es eine ungemein beruhigende Wirkung auf einen aus. Ich bin kein großer Fan von DARK FUNERAL, aber diese Platte ist eine der besten.

1 Kommentar

  1. Einmal mehr eine höchst lesenswerte Rezension von dir.
    Ich kann dir hier auch wirklich Recht geben: DARK FUNERAL gehören definitiv auch nicht zu meinen favorisierten Kapellen. Die Gründe dafür hast du selbst schon aufgeführt.

    Jedoch stellt „Secrets of the Black Arts“ auch in meinen Augen die große Ausnahme dar, welche die Regel bestätigt. Ich kann in der Hinsicht auch das aktuelle Werk der Schweden aus dem Jahr 2016 empfehlen. „Where Shadows Forever Reign“ auch nicht gänzlich an die Klasse dieses Albums hier heran reicht, so zeigt es doch eine deutliche Nähe, was die Atmosphären betrifft…

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