Dissections „Where dead Angels lie“

Dissection. Eine der besten Bands, die es je gegeben hat. Gegeben hat, denn diese großartige Gruppe aus Schweden existiert seit 2006 nicht mehr. Drei Alben wurden eingespielt, und vor allem mit den ersten beiden wurde Musikgeschichte geschrieben.

Musikalisch sind Dissection zwischen Black Metal und melodischem Death einzuordnen, und auf beide Stilrichtungen übten sie enormen Einfluss aus. Den Black Metal machten sie – und das klingt jetzt sehr ketzerisch, ich weiß – salonfähiger. Das Raue und Hässliche wurde entfernt, dafür wurden Melodien eingefügt, die auch Nicht-Black Metaller ansprechen. Ich würde sogar behaupten – wieder Ketzerei – dass solche Bands wie Dimmu Borgir ohne Dissections Einfluss nicht so klingen würden, wie sie heutzutage klingen. Beide Gruppen würde ich aber niemals auf eine Stufe stellen, denn im Gegensatz zu Dimmu Borgir fehlen bei Dissection die kommerziellen Ambitionen.

Auch der Melodic Death Metal hat von dieser Band profitiert, und auch hier würde ich sagen, dass Dissection eine der Gruppen waren, welche die Entstehung dieses Genres entscheident mitgeprägt haben.

Kopf von Dissection war ein Bursche namens Jon Nödtveidt. Texte und Musik stammten größtenteils von ihm, er selbst war Sänger und Gitarrist. Ein sehr spiritueller Mensch, dessen religiöse Ansichten der Chaosophie zugeordnet werden können (d.h. das Chaos wird als ursprünglich und unendlich betrachtet, alles was ist, existiert in ihm). Er war Mitglied eines okkulten Ordens namens Misanthropic Luciferian Order, welcher heutzutage den Namen Temple of the Black Light trägt. Auch dieser Orden hat sich der Chaosophie verschrieben, seine Lehren beruhen größtenteils auf der Kabbala, sowie auf dem Hinduismus und der alt-orientalischen Mystik. Ich würde an dieser Stelle die Homepage des Tempels angeben, doch diese scheint nicht mehr zu existieren – als pdf-Datei ist sie jedoch noch vorhanden.

Jon Nödtveidt wurde Ende der 90er-Jahre wegen Beihilfe zum Mord verhaftet. Dissection lösten sich daraufhin auf. Nach seiner Entlassung gründete er die Band neu, allerdings mit anderen Musikern. Ein Album wurde noch aufgenommen, 2006 beging Nödtveidt dann Selbstmord, indem er sich mit einer Pistole in den Kopf schoss. In seinem Abschiedsbrief soll gestanden haben, dass er alle an ihn gestellten Aufgaben dieser Welt bewältigt habe, und er nun bereit sei, auf die nächste Ebene zu wechseln.   


Der Name jenes Liedes, durch welches ich die Musik von Dissection kennengelernt habe, und dessen Text hier vorgestellt werden soll, lautet „Where dead Angels lie“. Es handelt sich um eine Ballade, deren Text man als düster-romantisch bezeichnen könnte, und deren Melodie eine der schönsten und einprägsamsten Weisen ist, die es meiner Meinung nach gibt. Beschrieben wird ein Ort voller Eis und Schnee, an dem ein Wesen wohnt, welches Engel herbeilockt, um diese zu töten. Das Wesen selbst wird nicht näher beschrieben, ebenso wenig seine genaue Vorgehensweise, im Mittelpunkt stehen die gefrorenen Leiber seiner himmlischen Opfer.

Manch einer mag diesen Text als kitschig betrachten, und irgendwie ist er dies auch, aber auch kitschige Dinge können ihren Reiz haben. Und rein musikalisch sowie atmosphärisch finde ich es schwer, etwas Ebenbürtiges zu finden.

Als kleiner Zusatz sei hier noch der Link zu einer Piano-Version des Liedes angegeben, gespielt von einem Fan, der mehrere Metal-Stücke auf dem Klavier interpretiert hat (u.a. von In Flames und Dark Tranquillity), womit wir auch wieder beim Thema Black Metal und Klassik“ wären…

Hier nun aber Jon Nödtveidt selbst:

 

„Where dead Angels lie“

von Dissection

In the Dawn an Angel was dancing,
surrounded by an Aura of Light.
But in the Shadows something was watching,
and with Patience awaiting the Night.
Angel whispers: „Mournful Night, attractive Night,
your dark Beauty obsesses me.“
An Angel bewitched by the Shadows,
seduced by the whispering Lies.

A Spell was cast and the Sky turned red,
the Angel’s Heart froze to Ice.
The Blackness that falls is coming to stay,
under the Snow lies Angels so cold.

Dusk has past and a cold Morning Breeze
is sweeping all over the Plain.
On the Ground lies an Angel with Skin so pale,
on her Face an Image of Pain.
Snow is now falling to the frozen Ground,
the Angel is covered by White.
Frost is spreading across the Plain,
to welcome the Eternal Night.

The Dress ist white with Crystals of Ice,
and frozen Roses so red.
Roses of Blood from an innocent Soul,
on the Plain lies an Angel dead.

A Spell was cast and the Sky turned red,
the Angel’s Heart froze to Ice.
In the gloomy Sky black Clouds where gathering,
the Silence was broken by Cries.
A Spell was cast and the Sky went red,
and the Angenl’s Heart froze to Ice.
In the gloomy Sky – the Silence where dead Angels lie.

Touch the Snow… caress the lifeless Sculptures…
die!!!

The Blackness that falls is coming to stay,
under the Snow lies Angels so cold.
Yet with each Crystal of Frost that is falling,
another Story is told.
A Spell was cast and the Sky turned red,
the Angel’s Heart froze to Ice.
In the gloomy Sky – the Silence where dead Angels lie.

 

 

 

1 Kommentar

  1. Zeitloser Klassiker. Ebenso Dissection’s Version von „Elisabeth Bathori“ (im Original von Tormentor). Durch diese beiden Lieder kam ich zu der Musik Nödtveidts.

    Die (rein musikalische, Melodie betonte) Parallele zwischen Dissection und Dimmu Borgir wird vielleicht noch deutlicher, wenn man sich die Reihe „Live & Plugged“ auf VHS anschaut, welche Aufnahmen beider Bands von der gemeinsamen „The Gods of Darkness“ (1997) enthält. Weitere Bands des Abends waren übrigens In Flames und Cradle of Filth. Wer sich über die Jahre nicht dem Mainstream zugewandt hat, brauchen wir hier ja nicht weiter zu diskutieren 😉

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