Nargaroths „…vom freien Willen eines schwarzen Einhorns“

Da ich zu denjenigen gehöre, die sich noch CDs kaufen und Wert legen auf ein gut gestaltetes Booklet, komme ich immer wieder in den Genuss, die Texte der Lieder zu lesen, welche ich höre. Es gibt einige Songtexte, die mir sehr gut gefallen, und einige davon will ich im Laufe der Zeit hier vorstellen.

Den Anfang soll eine meiner Lieblingsgruppen bestreiten, nämlich Nargaroth. „…vom freien Willen eines schwarzen Einhorns“ stammt vom Rasluka-Album, einer Platte, auf der Kanwulf den Verlust eines Freundes durch Selbstmord, sowie den Tod des ehemaligen AC/DC-Sängers Bon Scott, in welchem er einen „der letzten echten Rebellen“ erkennt, verarbeitet. Ein sehr persönliches Album, aber das sind die Werke von Nargaroth glaube ich immer.

Musikalisch gehört „…vom freien Willen eines schwarzen Einhorns“ nicht unbedingt zu meinen Favoriten, aber ich mag den Text. Es geht um das Individuum, welches alle Grenzen durchbricht und sich von der Masse abgrenzt. Vom Streben nach Höherem und nach Freiheit. Die breite Masse verfolgt dasselbe Ziel, wird es aber niemals erreichen können. Schließlich ist sie entsetzt darüber, wie weit das Individuum gegangen ist.

Der Erzähler verspürt den gleichen Drang nach Freiheit und Entfaltung, ist jedoch unfähig, diesem zu folgen. Er schämt sich, als er erkennt, dass er selbst nur ein Teil der Masse ist.

„…vom freien Willen eines schwarzen Einhorns“

von Nargaroth

 

Ich labe mein Auge an elfgrünen Hängen,
an Klippen die ragen aus tosendem Meer.
Seh‘ tausend Rösser zu Gipfel sich drängen,
voran eilt ein schwarzes vor schneeweißem Heer.

Mit seidenen Fesseln erklomm es die Klippe,
doch machte es auch am Ende nicht halt.
Entsetzt erstarrte die schneeweiße Sippe,
als es da stürzte in Fluten so kalt.

Das Schwarze erlöst nun von einsamer Qual,
gestillt seine Sehnsucht nach Freiheit und Willen.
Mein Auge nun ruht auf herbstwelkem Tal,
ach‘ könnte ich auch meine Sehnsucht so stillen.

So spür‘ ich die Freiheit nach kühl-freiem Winde,
doch blick‘ ich voll Scham auf mein weißes Gewand.
Nachts weine ich nach dem ach freien Kinde,
das mit dem schwarzen Einhorn verschwand.

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