„Black Metal ist Krieg“ – Altes, neu rezensiert

Dies ist eine Rezension zu Nargaroths großartiger Scheibe „Black Metal ist Krieg – A Dedication Monument“. Ich gehe davon aus, dass bereits einige Besprechungen dieses Albums existieren, zumal die Platte mittlerweile auch schon über 15 Jahre alt ist (erschienen 2001). Nichtsdestotrotz verfasse ich hier meine eigene Rezension, da ich dieses Album für eines der besten überhaupt halte und Lust habe, darüber zu schreiben.

Nun denn…

Nargaroth ist eine deutsche Ein-Mann-Band, bestehend aus Kanwulf, welcher diesen Namen aber vor einiger Zeit abgelegt hat und heutzutage Ash genannt wird. Mir persönlich liegt bei Nargaroth immer noch der Name Kanwulf auf den Lippen.

„Black Metal ist Krieg – A Dedication Monument“. Ein gewaltiges Album, mit Liedern unterschiedlichster Couleur. Von stimmungsvollen, balladenhaften Kompositionen bis hin zu brutalsten Hässlichkeiten. Kein Konzeptalbum, wie Ash im Bocklet erwähnt, sondern eine Ansammlung verschiedener Lieder, teils Eigenkreationen, teils Cover älterer Bands.

Der Beginn ist grausam. Das kurze Intro und der darauffolgende Titelsong knüppeln dem Hörer alle Schrecknisse entgegen, zu denen der Black Metal fähig ist. Ich selbst habe eine Weile gebraucht, bis ich mir dieses Lied vernünftig anhören konnte. Doch man wird belohnt, denn wie viele andere Songs von Nargaroth, so besteht auch „Black Metal ist Krieg“ aus zwei Teilen, von denen der zweite der treibendere, melodischere ist. Hässlich bleibt er dennoch, jedoch kommen nun eine gewisse Harmonie und sogar Schönheit hinzu. Ein Lied, das wunderbar aufzeigt, wie Black Metal geschaffen ist – eintauchen in die abstoßendste Finsternis, um dann am Grunde Licht zu entdecken.

Letzteres (das mit dem Licht) gilt besonders für einen meiner beiden persönlichen Höhepunkte dieser Platte: „Seven Tears are flowing to the River“. Eine Ballade von umfangreicher Größe, tragend und atmosphärisch. Ein Lied, das ewig laufen könnte,  verbreitet es doch einen Hauch von Unendlichkeit.

Mein Highlight Nummer Zwei ist „Amarok – Zorn des Lammes III“. Zu Beginn ist Wasserrauschen zu vernehmen, welches vom Meer oder einem Fluss stammt. Ich muss dabei entweder an einen düsteren Strand denken, oder an einen Fährmann, der seine Stange wieder und wieder in die trüben Fluten eines dunklen Flusses taucht. Hinzu kommen Donnergrollen und melancholischer Gesang – vielleicht singt der Fährmann irgendein Totenlied, das Bild von Charon aus der griechischen Mythologie drängt sich auf. Zugleich finde ich das Gemälde „Der Mönch am Meer“ von Caspar David Friedrich sehr passend, wobei generell die Bilder dieses Künstlers atmosphärisch mit Nargaroth verwandt sind, wie ich finde. Aber zurück zum Lied. Sobald die Gitarre einsetzt und das Gewitter losbricht, wird dieses Stück zu etwas Epischem. Der Gesang wird fortgeführt, bis er irgendwann in das bekannte Nargaroth-Krächzen übergeht. Dabei bleibt das Stück erhaben und ruhig, erst im zweiten Teil wird es schneller und „typischer“ Black Metal. Vielleicht ist dies mein Lieblingslied von Nargaroth.

Auf die Cover-Versionen werde ich in dieser Rezension nicht weiter eingehen, da ich gestehen muss, dass ich in Bezug auf die Originale zu wenig Wissen besitze. Jedoch soll gesagt sein, dass es sich um Stücke von Anfang der 90er handelt, wodurch das gesamte Album einen weiteren musikhistorischen Wert erhält. Gleiches gilt für das, von Ash selbst komponierte, Lied „The Day Burzum killed Mayhem“. Darin geht es – wie der Name sagt – um den Mord an Euronymous. Kanwulf beschreibt die Auswirkungen, den dieses Ereignis auf den Black Metal hatte, und vor allem auf ihn selbst. Ein sehr persönliches Stück mit geschichtsträchtigem Kontext.

Den Abschluss des Albums bildet ein Lied, das – wie soll ich sagen – beinahe schon gute Laune verbreitet. Spaß macht. Fröhlich anmutet? Irgendwie muss ich dabei immer an AC/DC denken, weil Ash in einem Interview mal gesagt hat, er sei ein Fan der Bon Scott-Ära. Nicht, dass dieses Lied nach AC/DC klingen würde, aber eine gewisse Partystimmung verbreitet es schon… „Possessed by Black fucking Metal“ lautet der Titel, und ein Grinsen lässt sich dabei nicht verkneifen. Ich finde, dass man gerade hier heraushören kann, wie sehr Ash sein Schaffen Freude bereitet. Obwohl er im Booklet beschreibt, dass er mit diesem Lied eigentlich sehr negative Gefühle assoziiert. Mir aber kommt es vor, als würde das Spielen dieses Titels Spaß machen – das Anhören tut es zumindest.

Noch ein paar Worte zum Beiheft. Dieses Booklet ist so, wie es sein sollte – mehrseitig und mit vielen Hintergrundinfos gefüllt. Nicht einfach nur ein aufklappbares Stück Papier, auf dem vielleicht höchstens die Namen der Bandmitglieder stehen. Ich finde, ein Booklet sollte neben den Liedtexten auch weitere Gedanken der Musiker enthalten, und letzteres ist hier eindeutig der Fall; auch wenn die Lyrics fehlen. Ansonsten werden zu jedem Titel Entstehungsgeschichte und Gefühlslage beschrieben, was einen noch tiefer in die Kunst Nargaroths eintauchen lässt. Wäre ich kleinlich, so würde ich die (aufgrund der Farbgebung) schwer leserliche Schrift bemängeln, aber ich will nicht kleinlich sein, und womöglich steckt auch eine gewisse Absicht dahinter.

Abschließend würde ich gerne noch einige Mängel aufführen, um nicht nur positiv über dieses Werk zu urteilen, aber mir fallen keine ein. Außer vielleicht, dass die Lieder insgesamt sehr „zusammengewürfelt“ erscheinen, das Album also nicht „rund“ ist. Aber darauf weist Ash ja hin – es handelt sich um Widmungen an von ihm verehrte Bands, sowie um Stücke, die auf einem Konzeptalbum keinen Platz gefunden hätten. Deshalb haben die einzelnen Titel keinen direkten Bezug zueinander, was ich an anderer Stelle vielleicht kritisiert hätte, aber hier kann ich ohne Probleme darüber hinwegsehen.

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