Vom schwarzen Metall…

Black Metal, was ist das eigentlich? Ein musikalisches Genre? Eine Unterkategorie des Metals und damit der härteren Rockmusik? Eine Subkultur, eine Philosophie, eine Lebenseinstellung?

Nargaroth sagt „Black Metal ist Krieg“ – Krieg gegen was? Gegen Angepasstheit? Gegen Mainstream und Kommerz? Gegen 08/15-Party-Gedudel? Oder gegen bestimmte Weltanschauungen wie das Christentum und andere „lichte“ Religionen? Ein Krieg gegen die Fröhlichkeit und „Friede, Freude, Eierkuchen-Mentalitat“? Gegen Oberflächlichkeit und Heuchelei? Krieg wogegen..?

Ist es denn überhaupt ein Krieg? Und wenn ja, kann er auch für etwas sein? Es gibt Dinge, die erscheinen im ersten Moment „anti“, sind erstmal nur dagegen. Und ich glaube, rein musikhistorisch war das mit dem Black Metal genauso, es ging erstmal nur gegen die immer kommerzieller werdenden anderen Metal-Genres, namentlich Death und Thrash. Hinzu kam eine antichristliche Einstellung – gegen die Kirche sein bzw. gegen institutionalisierte Religion überhaupt. Das gipfelte dann in den Kirchenbränden in Norwegen und Schweden.

Aber steht Black Metal auch für etwas? Wo ist das Positive und Bejahende in dieser Form der Kunst? Kann man mit Black Metal irgendetwas aufbauen?

Muss man ja, sonst würde man es nicht hören. Sonst würden ja keine neuen Lieder  entstehen, keine neuen Bands gegründet werden. Sonst würde man Black Metal nur hören, wenn man vollkommen contra ist. Man hört es aber auch, wenn man pro ist.

Aber was ist dieses pro? Was bringt es einem, Schwarzmetall zu hören?

Zum ersten gibt es einem Abgrenzung von allem anderen. Was natürlich wieder etwas contra-mäßiges ist. Aber durch diese Abgrenzung wird Raum geschaffen für neue Dinge – für Tiefgreifendes, Erfüllendes, Erhabenes und auch Spirituelles. Denn ich halte den Black Metal für im höchsten Sinne erhaben und spirituell – durch seinen vordergründig hässlichen Klang schreckt er jeden ab, der nicht tief genug denken und empfinden will, aber gerade in der Tiefe findet man Dinge wie Ruhe, Frieden und Befriedigung. Er zeigt einem das innerste Selbst, führt zur Selbsterkenntnis, zum dunklen Kern im eigenen Herzen.

„Thus far a long journey through my soul’s infinity
It has been a journey far beyond mortality
I have found what I wanted, tranquility“

So drücken es Dissection in ihrem Lied „The Somberlain“ aus. Eine Reise in die Unendlichkeit der eigenen Seele, jenseits allen Sterblichen, wo man schließlich eine allumfassende Gelassenheit findet. Gelassenheitinnere Ruhe und Frieden. All dies wird durch den Black Metal erreicht, und die besondere Kunstfertigkeit liegt nun darin, dass Black Metal im ersten Moment genau das Gegenteil vermittelt: Er ist schnell, aggressiv und laut. Doch wenn man diese abschreckende Barriere erstmal durchdrungen hat, wenn man sich dem Extremsten ausgesetzt hat, was Musik bieten kann, dann gibt es nichts mehr, das einen aus der Ruhe bringt. Dann kann man in seeliger Dunkelheit schwelgen und den inneren Kern des Black Metals genießen, welcher friedvoll und wunderschön ist. Dann ist der Krieg gewonnen, und der Frieden ist erreicht.

3 Kommentare zu „Vom schwarzen Metall…

  1. Sehr wohl ausgedrückt und super geschrieben. Da gehe ich mit dir in vielen Dingen absolut konform.

    Ich meine einmal gelesen zu haben, dass Nargaroth sein „Black Metal ist Krieg“ als einen spirituellen Krieg gemeint hat. Den Kampf, den jeder mit seiner inneren Finsternis und seinen Dämonen ausfechtet. Es ist nicht immer einfach, Schwarzmetall als innere Einstellung und Philosophie mit dem realen Alltag in Einklang zu bringen, wie du ja an anderer Stelle bereits geschrieben hattest…

    Jedenfalls, eine sehr interessante und durchdachte Blog-Seite, die du hier geschaffen hast, werde ich definitiv weiter verfolgen!

    Gruß

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